Der menschliche Mehrwert überwiegt im Journalismus

AUFGABENSTELLUNG:
Bachelor Kommunikation, Deutsch 2 Textrezeption und Texproduktion
Szenario: Sie stehen im Austausch mit Journalistik-Studierenden an anderen Hochschulen. Das studentische Magazin an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg, „V – das Studimagazin“, fordert Sie auf, einen Gastbeitrag zu verfassen. Sie sollen einen Bericht über den Einfluss von KI auf den Journalismus einreichen. In diesem Zusammenhang ist Ihnen im Magazin der „Journalist“ das Interview mit dem Spiegel-Kolumnisten und Professor für Digitale Kommunikation Christian Stöcker unter dem Titel „Werkzeuge wie Chat-GPT werden wir irgendwann so selbstverständlich nutzen wie Google“ aufgefallen. Sie beschliessen, darüber einen kurzen Bericht für das „V – das Studimagazin“ zu verfassen.
Quelle: „Werkzeuge wie Chat-GPT werden wir irgendwann so selbstverständlich nutzen
wie Google“ Interview mit Christian Stöcker

Systeme aus künstlicher Intelligenz verbessern sich exponentiell und treffen auf ein überfordertes Publikum. Gleichzeitig wird vom Journalismus ein professioneller Umgang mit KI gefordert.

Die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) erfordert gemäss Christan Stöcker ein geändertes Mindset von Journalist:innen. Illustration: Anna Berger

«Beschleunigte Entwicklungen überfordern Menschen», sagt Christian Stöcker, Professor für digitale Kommunikation und Spiegel-Kolumnist gegenüber journalist. Hinzu komme, dass Medienschaffende enorm unter Druck stünden, dies auch wegen der Wechselwirkung mit der Wirtschaft. Trotzdem solle der Journalismus laufende Veränderungen aufzeigen und somit seine journalistische Verpflichtung wahrnehmen, insbesondere im Zeitalter der exponentiellen Entwicklung von KI.

Der Mensch behält die Oberhand

Im Moment sei die Bedrohung für weite Bereiche der journalistischen Arbeit überschaubar. KI könne Texte erzeugen, die so aussehen würden, als ob sie von Menschen geschrieben seien. Nach einer Spielerei mit dem Tool GPT-4 sagt Stöcker: «Aber der Text war meilenweit davon entfernt, geeignet zu sein, um ihn als mein Werk abzugeben». Seiner Meinung nach werden generische Aufgaben wie Katalogtexte oder Stock-Fotografie verschwinden. Dennoch werde die KI nicht zur Pressekonferenz gehen, nicht mit Whistleblowern reden und auch keine Vertrauensbeziehungen herstellen. «Diese Aufgaben werden weiterhin von Menschen erledigt werden müssen», erzählt Stöcker.

Wird KI Google ersetzen?

Jede Person müsse sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass es keinen Status quo gebe. „Wir hätten es gern gemütlich und wünschen uns, dass es bleibt, wie es ist“, sagt Stöcker. Doch die KI sei eine weitere Disruptionsmacht. Gleichzeitig sei sie ein potenziell mächtiges Werkzeug für die journalistische Arbeit. «Wir brauchen professionelle Interaktion mit der Software und gute Kenntnisse im Prompting», erklärt Stöcker. Je klarer die Anweisung, desto besser sei das Ergebnis. Das Ziel solle ein effektiver Umgang sein, um Zeit zu sparen. Gemäss Stöcker ist Google für Personen, die wissen, wie man recherchiert und Quellen beurteilt, nach wie vor mächtiger als eine Maschine, die intransparente Antworten gibt.